Das Jo - Liebesleben

Jetzt sitzt du da und kannst es einfach nicht glauben.
Reibst dir deine verweinten Augen ohne nur einmal aufzuschauen.
Nun - ein verdutzter Blick in alle Himmelsrichtungen:
der Schmutz da ist dick auf deinen schimmligen Dichtungen.

Und es fehlt das Feedback. Du willst dich spüren.
Nur ist sie weg. Verschlossen hinter hindernden Türen.

Dein Herz blutet erbärmlich im Schmerz
und dein Schädel ist jenes gemeine Gefängnis,
dessen Knebel dir jetzt einfach zu eng is’.
Der Schmerz sitzt Tief wie Nebel, dessen Horn bläst kreuz und quer.
Der letzte Nerv wird hier enthebelt, wie ein Dorn sträubt er sich sehr.
All das Jammern und Weinen – es bringt dich nicht weiter.
Nur langsam, im Kleinen, regen sich im inneren Geister.

„Vor deinen Augen zieht noch mal dein ganzes Leben vorbei.
Du wolltest so vieles machen und hattest so wenig Zeit.“1
All deine verlorenen Gefühle finden wieder zu dir.
Sie waren verborgen, doch wie eine Düne ziehen sie wieder zu dir.

All die Jahre verfließen im Zeitraffer, wie Filme.
Erst nackt und ohne Haare entfliehst du deiner Mamas Wiege.
Alle sind bedacht, dir was zu sagen, doch du kreischst nur wie am Spieße.
Deine Sinne sind überfordert, sie wissen nicht, wie ihnen geschieht.
Mama und Papa zeigen dir, welcher Sinn in den Dingen liegt.

So hast du gelernt, dich festzuhalten – ob du’s wolltest oder nicht.
Auch wenn sich mal Stress entfaltete – es folgte ja immer Licht.
Denn deine Eltern schauten auf dich. Mit ihrer schützenden Hand
verscheuchten sie Wolken und versuchten – wenn, dann nur – Brücken zu schlagen.
Dein Leben lebt sich von selbst. Kein Streben bewegt dich, du fängst
nichts noch mal von vorne an. Nichts bringt dich auf Vordermann.
Du wirst zum Kiffer der nichts ordnen kann. Dieser Ritt, der sucht das Morgenland
ohne ihn gäb’s auch kein Morgen. Dann wäre es immer nur ein Vorwärtsjagen,
ohne dass dein Inneres sich fordern kann.

Mehr und mehr driftest du von einem Extrem ins andere
und wär’ da nicht der alles scheidende Moment im Leben,
könnte es eigentlich schon zu Ende gehen.

Doch, siehe da, wie aus dem Nichts spielt die Welt verrückt.
Entspannt liegst du da, als du plötzlich dich verändern musst.
Erst nennst du’s miesen Stuss und verpennst es wie den Bus,
doch, je länger du in dir drin ruhst, desto ärger wird dein Frust.

Kombiniert mit den ersten großen Rückschlägen,
öffnen deine Selbstzweifel einen Torbogen zu Glückswegen.
Nun wird der Weg auch steiniger – nichts für Katzenpfoten.
Du meinst, du triffst nur Peiniger, die dich tratzen – wohl, wenn
sie eigentlich nur deiner Masken erbost sind.

Verdammt es ist ja klar, woher sollst du das jetzt wissen.
So lange alles prima klappt, stärkt der Erfolg dir dein Gewissen.

Und schon wieder – zum aber-tausendsten Mal,
passiert es dir wieder, dass Unvertrautes geschah.
Es kommt aus deinem Inneren und lässt sich nicht lenken.
Die Suche nach Intimerem findet bis zu zuletzt kein Ende.
Dein Körper ist voll dabei, doch der Geist hinkt hinten nach.
Keine Wörter können beschreiben, was dir die Sinne sagen.

Es ist neu für dich und du bist neugierig.
Erst scheust du dich und täuscht dein Gegenüber
mit vorläufiger Ignoranz. Doch du wirst läufiger und irgendwann
... läufst du ihr schon hinten nach.

Ihr seht euch auf Partys und sitzt gegenüber beim Flaschendrehen.
Du denkst an sie, wenn dir fad ist, in der Schule und beim Schlafengehen.
Die Gefühle, die sich da wie eine Mühle im Magen drehen,
sind nicht nur angenehm – sie machen süchtig,
da kann kein Mann widerstehen.

Irgendwann bemerkst du, da gibt es nicht nur eine.
Verliebst dich gleich in eine Reihe ganz besonderer Frauen.
Der Konflikt unvermeidlich – halt die verdammte Wolllust im Zaum!
Du hast nicht das Zeug dazu und vielleicht willst du es auch gar nicht schaffen.
Doch im Nachhinein bereust du, wie so oft dein Handeln.

Jetzt sitzt du noch immer da und kannst es einfach nicht glauben.
Reibst dir deine verweinten Augen ohne nur einmal aufzuschauen.
Ein verdutzter Blick in alle Himmelsrichtungen:
der Schmutz ist dick auf deinen schimmligen Dichtungen.
Und es fehlt das Feedback. Du willst dich spüren.
Nur ist sie weg. Verschlossen hinter hindernden Türen
spielt sie im Dreck, in den du sie geworfen hast.
Sie, die dich liebt, ist weg. Keine Chance auf Wiedersehen.
Die hast du verspielt wie Geld. Auf Nimmerwiedersehen.

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